Die Zinngießerstiege – ein unscheinbarer Ort erzählt Stadtgeschichte
Die Zinngießerstiege in Wolfsberg gehört zu jenen Orten, an denen man im Alltag leicht vorbeigeht, ohne ihre tiefere geschichtliche Bedeutung zu kennen. Gerade darin lag der Reiz dieses Projekts: Aus einem kleinen, auf den ersten Blick unscheinbaren historischen Stadtbereich sollte ein erzählbarer Ort werden – ein Platz, an dem sich Stadtgeschichte, Handwerkstradition, alte Wegebeziehungen und lokale Erinnerung miteinander verbinden.
Die Initialzündung lieferte ein Text von Tini Supantschitsch im Wolfsberger Brauchtumsbuch. Darin wurde die Zinngießerstiege als Teil des historischen Wolfsberg sichtbar – nicht als großes Denkmal, sondern als ein Detail im Gefüge der alten Stadt. Aus diesem Hinweis entwickelte sich die Idee, die Geschichte dieses Ortes genauer zu erforschen und für die Öffentlichkeit neu aufzubereiten.
Vom historischen Hinweis zur gezielten Recherche
Der Förderungsverein Lavanttaler Heimatmuseum unter Obmann Dr. Robert Swatek griff das Thema auf und beauftragte eine vertiefende Recherche. Ziel war es, die Herkunft des Namens, die historische Funktion der Stiege und ihre Bedeutung im Stadtbild möglichst genau zu klären. Dazu wurden historische Texte, verfügbare Archivalien, ältere Darstellungen, Karten, Fotografien und lokalgeschichtliche Hinweise zusammengeführt und ausgewertet.
Im Mittelpunkt stand nicht nur die Frage, was sich über die Zinngießerstiege im engeren Sinn sagen lässt, sondern auch, wie dieser Ort in das größere Bild der Wolfsberger Stadtgeschichte eingebunden werden kann. Die Recherche machte deutlich, dass die Stiege nicht isoliert betrachtet werden darf. Sie verweist auf alte Verkehrswege, auf handwerkliche und gewerbliche Strukturen, auf die Topografie der Stadt und auf jene kleinräumigen historischen Zusammenhänge, aus denen sich das Bild des alten Wolfsberg zusammensetzt.
Erste öffentliche Präsentation der Ergebnisse
Ein wichtiger Meilenstein war die Präsentation der Rechercheergebnisse am 19. November 2025. Sie richtete sich an Anrainerinnen und Anrainer sowie an historisch interessierte Besucherinnen und Besucher. Dabei wurde die Zinngießerstiege nicht nur als einzelner Ort vorgestellt, sondern in einen weiteren stadthistorischen Zusammenhang eingebettet.
Die Präsentation zeigte, dass auch kleinere historische Themen großes Interesse wecken können, wenn sie sorgfältig recherchiert, anschaulich erzählt und mit dem konkreten Lebensumfeld der Menschen verbunden werden. Gerade für Anrainer wurde sichtbar, dass ein vertrauter Ort plötzlich eine zusätzliche Bedeutung erhält. Die Stiege wurde dadurch nicht neu erfunden, sondern neu gelesen: als Spur im historischen Gedächtnis der Stadt.

Im Museum im Lavanthaus wurde das Projekt dem Förderungsverein Lavanttaler Heimatmuseum, den Anrainern am Hohen Platz und Interessierten präsentiert.
Infotafel, QR-Code und digitale Erweiterung
Aus der Recherche und der öffentlichen Präsentation entwickelte sich ein dauerhaft sichtbares Ergebnis. Am 9. Mai 2026 wurde die fertige Informationstafel bei der Zinngießerstiege durch Bürgermeister Alexander Radl und Dr. Robert Swatek, den Obmann des Förderungsvereins Lavanttaler Heimatmuseum, enthüllt. Damit erhielt der Ort eine zeitgemäße Kennzeichnung im öffentlichen Raum.
Die Tafel verbindet eine knappe, gut verständliche historische Information mit einem QR-Code, der auf eine weiterführende Landingpage verweist. Dadurch entsteht ein zweistufiges Vermittlungsmodell: Die Tafel bietet vor Ort eine rasch erfassbare Orientierung, während die digitale Seite zusätzliche Informationen, Bilder und Zusammenhänge bereitstellen kann. Auf diese Weise wird aus einer klassischen Infotafel ein Einstiegspunkt in eine vertiefende digitale Stadterzählung.

Die Infotafel an der Zinngießerstiege ist mit einem QR-Code ausgestattet, der zur informativen Landingpage führt. Die für Smartphones optimierte Seite wurde bewusst hell und kontrastreich gestaltet, um das Lesen im Freien und bei wechselnden Lichtverhältnissen zu erleichtern.

Ergebnis und Bedeutung des Projekts
Das Projekt Zinngießerstiege zeigt exemplarisch, wie lokale Geschichte sichtbar gemacht werden kann, ohne große bauliche Eingriffe oder aufwendige Ausstellungsarchitektur zu benötigen. Ein historischer Hinweis, eine gezielte Recherche, eine öffentliche Präsentation, eine Informationstafel und eine digitale Erweiterung genügen, um einen Ort im Bewusstsein der Stadt neu zu verankern.
Besonders wichtig ist dabei die Verbindung von analoger und digitaler Vermittlung. Die Tafel bleibt als sichtbares Zeichen im Stadtraum bestehen, der QR-Code öffnet den Weg zu einer vertiefenden Darstellung. Damit wird Geschichte dort zugänglich, wo sie sich tatsächlich ereignet oder eingeschrieben hat: im Gehen durch die Stadt, im Blick auf alte Wege, Mauern, Stiegen und Plätze.
Ein Pilotmodell für weitere historische Orte
Die Zinngießerstiege besitzt über das Einzelprojekt hinaus Pilotcharakter. Das Modell lässt sich auch auf andere bestehende oder künftige Informationstafeln in Wolfsberg übertragen. Historische Orte, Gebäude, Plätze oder Wegstationen könnten nachträglich mit QR-Codes und eigenen Landingpages ausgestattet werden, ohne dass bestehende Tafeln vollständig ersetzt werden müssen.
So entsteht die Möglichkeit, Schritt für Schritt ein digitales Netz historischer Stadtpunkte aufzubauen. Jede einzelne Tafel bleibt überschaubar und vor Ort gut lesbar, während die Website Raum für vertiefende Texte, Bildmaterial, Quellenhinweise und erzählerische Zusammenhänge bietet. Das Projekt Zinngießerstiege zeigt damit, wie aus einem kleinen historischen Ort ein zukunftsfähiges Vermittlungsformat für die Stadtgeschichte werden kann.
Hintergründe und Vertiefungen

Projektdetails
Kunde(n): Förderungsverein Lavanttaler Heimatmuseum (Obmann Dr. Robert Swatek)
Projektzeitraum: 2025/2026
Art(en) des Projekts: Rechercheprojekt, Infotafel und QR-Landingpage
Leistungen: Recherche, Text, Gestaltung der Präsentation und der Landingpage, Vortrag vor Anrainern und Interessierten im Museum im Lavanthaus
Besonderheiten: Kooperation von Förderungsverein Lavanttaler Heimatmuseum, Kulturreferat der Stadtgemeine Wolfsberg, Trafik Bardel und wmtprojekte
Umsetzung:
Mag. Werner M. Thelian
wmtprojekte



