Bräuche & Traditionen – verstreute Quellen werden zugänglich
Die Dokumentensammlung „Bräuche & Traditionen in Wolfsberg und im Lavanttal“ entstand als Ergänzung zum Buchprojekt über das Wolfsberger Brauchtum. Im Zuge der Recherchen zeigte sich, dass in historischen Zeitungen, Zeitschriften, Bibliotheksbeständen und digitalen Archiven eine bemerkenswerte Fülle alter Texte zum Brauchtum in Wolfsberg und im Lavanttal erhalten geblieben ist. Viele dieser Texte waren jedoch verstreut, schwer auffindbar, in Frakturschrift gesetzt oder nur als historische Bildscans zugänglich.
Aus dieser Ausgangslage entstand die Idee, die wichtigsten dieser Quellen nicht nur zu sammeln, sondern in eine dauerhaft nutzbare Form zu bringen. Ziel war eine Dokumentensammlung, die das regionale Brauchtum zwischen etwa 1800 und 1950 anhand historischer Originaltexte sichtbar macht – als Grundlage für Forschung, Kulturarbeit, Ausstellungen, künftige Publikationen und die vertiefende Beschäftigung mit der Geschichte der Region.
Recherche in historischen Zeitungen und Bibliotheken
Die Arbeit begann mit einer umfangreichen Quellenrecherche. Gesucht wurde nach Texten, die Feste, Bräuche, Sitten, religiöse Rituale, bäuerliche Traditionen, Jahreskreisfeste, Aberglauben, Sagenmotive und regionale Besonderheiten dokumentieren. Dabei wurden unter anderem Bestände großer Bibliotheken und digitaler Archive ausgewertet, in denen sich historische Zeitungen, Zeitschriften und volkskundliche Veröffentlichungen erhalten haben.
Besonders wertvoll ist die zeitliche Breite der Sammlung. Die Texte reichen von frühen Beschreibungen des Lavanttals um 1800 bis zu volkskundlichen Beiträgen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dadurch entsteht ein vielstimmiges Bild des regionalen Brauchtums: frühe Reise- und Landschaftsschilderungen stehen neben Berichten über Osterfeuer, Rauhnächte, Hochzeitsbräuche, Totenrituale, Weihnachts- und Faschingsbräuche, Heiligenfeste, Sagen und bäuerliche Lebensformen.
Digitalisierung, Bearbeitung und Quellenstruktur
Die zentrale Herausforderung bestand nicht allein im Auffinden der Texte, sondern in ihrer technischen und editorischen Erschließung. Viele Quellen lagen ursprünglich in Frakturschrift oder als schwer lesbare Scans vor. Sie mussten digitalisiert, korrigiert, lesbar gemacht und zugleich so bearbeitet werden, dass ihre Zitierfähigkeit und ihr Charakter als historische Quelle erhalten blieben.
Die Texte wurden behutsam an heutige Lesegewohnheiten angepasst, ohne ihren historischen Gehalt zu verfälschen. Jeder Beitrag erhielt Angaben zu Autor, Titel, Entstehungs- beziehungsweise Veröffentlichungszeitpunkt und Quelle. In der digitalen Fassung wurden außerdem Links zu den Originalbildscans und Aufbewahrungsorten ergänzt. So entstand nicht nur eine Textsammlung, sondern eine nachvollziehbare Quellenedition für die regionale Kulturgeschichte.
Digitale Sammlung und gedruckte Bibliotheksexemplare
Das Ergebnis wurde in mehreren Formen aufbereitet. Die digitale Dokumentensammlung umfasst 150 Originaltexte aus der Zeit von 1800 bis 1950 und wurde als PDF- und OneNote-Lösung erstellt. Sie ist durchsuchbar, nutzbar und so strukturiert, dass einzelne Texte rasch gefunden, gelesen und wissenschaftlich oder kulturhistorisch weiterverwendet werden können.
Ergänzend dazu entstanden gedruckte Bibliotheksexemplare im A4-Format. Diese 386 Seiten umfassenden Bände versammeln die Texte in einer dauerhaft nutzbaren Form und können an ausgewählten Orten – etwa im Museum im Lavanthaus, in der Stadtbücherei oder im Umfeld der Stadtgemeinde – für Interessierte zugänglich gemacht werden. Damit verbindet das Projekt digitale Erschließung mit der Beständigkeit eines gedruckten Nachschlagewerks.
Bewahrung eines regionalen Kulturerbes
Die Sammlung macht deutlich, wie reich die schriftliche Überlieferung zum Brauchtum im Lavanttal ist. Viele der enthaltenen Texte wären ohne gezielte Recherche kaum mehr auffindbar oder nur mit erheblichem Aufwand nutzbar. Durch ihre Zusammenführung entsteht ein neuer Zugang zu einem wichtigen Teil des regionalen kulturellen Gedächtnisses.
Besonders wertvoll ist dabei der Blick auf den Wandel. Die Quellen zeigen, wie Bräuche beschrieben, gedeutet, bewahrt, verändert oder auch kritisch betrachtet wurden. Sie geben Einblick in religiöse Vorstellungen, bäuerliche Lebenswelten, Jahreskreisrituale, lokale Identität und jene Übergänge, in denen alte Traditionen allmählich in die Moderne hineinwirkten. Die Sammlung ist damit nicht nur ein Archiv von Texten, sondern ein Spiegel regionaler Kulturgeschichte.
Ergebnis und Bedeutung des Projekts
Mit der Dokumentensammlung wurde ein umfangreicher, bisher verstreuter Quellenbestand systematisch erschlossen und in eine moderne Nutzungsform gebracht. Das Projekt verbindet historische Recherche, Digitalisierung, editorische Bearbeitung, Gestaltung und praktische Bereitstellung. Es zeigt, wie aus alten Texten ein zeitgemäßes Arbeitsinstrument für Kultur, Forschung und Vermittlung entstehen kann.
Die Sammlung bildet eine tragfähige Grundlage für weitere Projekte: thematische Ausstellungen, digitale Storytelling-Formate, Webbeiträge, E-Books, Unterrichtsmaterialien oder vertiefende Publikationen zu einzelnen Bräuchen. Gerade weil die Texte sauber dokumentiert und mit Quellenangaben versehen sind, können sie künftig in unterschiedlichen Zusammenhängen genutzt werden.
Ein Fundament für künftige Brauchtumsvermittlung
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie historische Quellenarbeit im regionalen Bereich aussehen kann. Nicht das bloße Sammeln steht im Vordergrund, sondern die Verwandlung verstreuter, schwer zugänglicher Texte in einen geordneten, durchsuchbaren und verständlichen Wissensbestand.
Damit bildet die Dokumentensammlung „Bräuche & Traditionen in Wolfsberg und im Lavanttal“ ein Fundament für künftige Formen der Brauchtumsvermittlung. Sie bewahrt historische Stimmen, macht sie wieder lesbar und eröffnet neue Möglichkeiten, regionale Traditionen nicht nostalgisch, sondern kenntnisreich, quellenbasiert und zeitgemäß zu erzählen.
Hintergründe und Vertiefungen

Projektdetails
Kunde(n): Kulturreferat der Stadtgemeinde Wolfsberg
Projektzeitraum: 2022–2023
Art(en) des Projekts: Dokumentesammlung, Digitalisierung und Buch
Leistungen: Gesamtkonzept, Dokumentesammlung, Digitalisierung, Textbearbeitung, Grafik/Layout, Bildbearbeitung, Druckvorstufe
Besonderheiten: Historisches Archivmaterial, Digitalisierung, Archivierung
Umsetzung:
Mag. Werner M. Thelian
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