Arnold Rikli – eine historische Persönlichkeit neu sichtbar machen

Arnold Rikli (1823–1906) zählt zu jenen Persönlichkeiten, deren Wirken weit über Wolfsberg hinausreicht und dennoch eng mit der Stadt verbunden ist. Der aus der Schweiz stammende Naturheiler, der im heutigen Bled in Slowenien mit seiner Licht-, Luft- und Wassertherapie europäische Kurgeschichte schrieb, besaß in Wolfsberg eine Villa, die später der Stadtgemeinde zufiel. Damit entstand die Frage, wie dieses historische Erbe im kulturellen Sinn aufgegriffen, vermittelt und für die Gegenwart neu erschlossen werden kann.

Das Projekt nahm seinen Ausgang in den Beratungen des Kulturbeirats der Stadtgemeinde Wolfsberg. Im Mittelpunkt stand zunächst die Aufgabe, Arnold Rikli nicht nur als Namen oder historische Randfigur zu behandeln, sondern als Ausgangspunkt für ein größeres kultur- und medizinhistorisches Thema: die Suche nach Gesundheit, Natur und Licht im Zeitalter der Industrialisierung. Daraus entwickelte sich ein mehrstufiger Arbeitsprozess, der Recherche, historische Einordnung, visuelle Vermittlung und öffentliche Präsentation miteinander verband.

Arnold-Rikli-Landingpage zur Begleitung eines Vortrages zum 120. Todestag

Recherche zwischen Wolfsberg, Bled und europäischer Kurgeschichte

Ein wichtiger Meilenstein war eine Exkursion nach Bled, wo Rikli über Jahrzehnte hinweg wirkte und bis heute als eine prägende Figur der lokalen Kur- und Tourismusgeschichte präsent ist. Die Reise diente der konkreten Annäherung an Schauplätze, Bildmaterial, Ausstellungskonzepte und Formen der Erinnerungskultur. Vor Ort wurde sichtbar, wie stark Rikli in Bled mit der Entwicklung des modernen Kurwesens, der Naturheilkunde und des frühen Gesundheitstourismus verbunden ist.

Auf dieser Grundlage wurden historische Informationen gesammelt, geordnet und für die weitere Vermittlung aufbereitet. Dabei ging es nicht um eine bloße biografische Nacherzählung, sondern um die Einbettung Riklis in seine Zeit: in die Welt der Industrialisierung, der wachsenden Städte, der körperlichen Belastungen moderner Arbeit und der gleichzeitigen Sehnsucht nach Natur, Bewegung, Licht und Luft. Gerade dadurch gewann das Thema auch für Wolfsberg neue Aktualität.

Vom historischen Stoff zur öffentlichen Präsentation

Die Ergebnisse der Recherche wurden in einem Vortrag im Museum im Lavanthaus in Wolfsberg zusammengeführt. Ziel war es, Arnold Rikli als Persönlichkeit verständlich zu machen und zugleich die Verbindung zwischen Wolfsberg, Bled und der europäischen Kurgeschichte sichtbar werden zu lassen. Der Vortrag verband biografische Stationen mit größeren historischen Zusammenhängen und zeigte, weshalb Rikli auch für Fragen moderner Gesundheitskultur interessant bleibt.

Besonderer Wert wurde auf eine anschauliche Präsentation gelegt. Historische Bilder, Karten, Schauplätze und visuelle Rekonstruktionen dienten dazu, das Thema aus der rein schriftlichen Darstellung herauszulösen und als lebendiges Geschichtsbild erfahrbar zu machen. Damit wurde der Vortrag zugleich zu einem Beispiel dafür, wie historische Recherche in eine Form gebracht werden kann, die ein breites Publikum erreicht, ohne die fachliche Genauigkeit preiszugeben.

Ein Museumsfilm als dauerhafte Vermittlungsform

Parallel zur Vortragserarbeitung entstand ein kurzer Museumsfilm über Arnold Rikli, der im Museum im Lavanthaus gezeigt werden kann. Der Film führt von der dunklen, rauchigen Welt der Industrialisierung in jene Gegenwelt, die Rikli mit Licht, Luft, Wasser und Bewegung verband. Die visuelle Dramaturgie macht die Grundidee seines Wirkens unmittelbar verständlich: Gesundheit sollte nicht nur in Arzneien, sondern in der bewussten Rückkehr zu natürlichen Lebensbedingungen gesucht werden.

Für die Umsetzung wurden historische Recherche, Bildkonzept, Text, Sprecherfassung, Musikauswahl und Videoschnitt zu einem eigenständigen Vermittlungsformat verbunden. Der Film ist so konzipiert, dass er unabhängig vom Vortrag funktioniert und im Museumsbetrieb dauerhaft eingesetzt werden kann. Damit entstand aus der Beschäftigung mit Rikli nicht nur ein einmaliger Veranstaltungsbeitrag, sondern ein öffentlich sichtbares Ergebnis, das Besucherinnen und Besucher auch künftig an das Thema heranführt.

Arnold Rikli – Von der Dunkelheit zum Licht

Die ersten 2 Min. des 11:50 Min. langen Museumsfilms über Arnold Rikli, seinen Lebensweg und seine Bedeutung heute (Lichttherapie)

Ergebnis und Bedeutung des Projekts

Das Rikli-Projekt zeigt, wie sich eine historische Persönlichkeit aus unterschiedlichen Perspektiven neu erschließen lässt: als Teil der Stadtgeschichte, als Figur der europäischen Kur- und Medizingeschichte und als Impulsgeber für heutige Fragen nach Gesundheit, Natur und Lebensqualität. Aus einem zunächst offenen kulturpolitischen Thema entstand ein konkretes Vermittlungsprojekt mit Recherche, Vortrag, Film und musealer Nutzbarkeit.

Gleichzeitig wurde deutlich, welches Potenzial in der weiteren Bearbeitung liegt. Die Geschichte Arnold Riklis könnte in Kooperation mit der Stadtgemeinde Wolfsberg weiter vertieft werden – etwa durch zusätzliche digitale Inhalte, eine thematische Website, Ausstellungsstationen, Begleitmaterialien, Veranstaltungen oder eine stärkere Einbindung der Rikli-Villa als Erinnerungsort. Das bisherige Projekt bildet dafür eine tragfähige Grundlage: Es macht sichtbar, wie aus historischer Recherche ein zeitgemäßes Storytelling entstehen kann, das kommunale Identität, kulturelles Erbe und moderne Vermittlungsformen miteinander verbindet.

Hintergründe und Vertiefungen

Folie aus der Rikli-Präsentation.
Zum 120. Todestag von Arnold Rikli: Die Heilkraft von Licht, Luft und Wasser
Cover der Rikli-Veranstaltung.
Arnold Rikli (1823–1906) – Der Sonnendoktor
Projektdetails

Kunde(n): Kulturreferat der Stadtgemeinde Wolfsberg

Projektzeitraum: 2025/2026

Art(en) des Projekts: Museumsfilm und Vorträge

Leistungen: Recherche, Texte, Filmskript, Präsentation, Umsetzung des Films, Produktion des Films, Vortrag und Filmvorstellung im Museum im Lavanthaus

Besonderheiten: Gestaltung eines professionellen Museumsfilms für das Museum im Lavanthaus in Wolfsberg, Schaffung des Ausgangspunktes für weitere Aktivitäten zur Einbindung Arnold Riklis und der Rikli-Villa in die Kultur- und Stadtgeschichte

Umsetzung:

Mag. Werner M. Thelian
wmtprojekte