Gerhart Ellert – Literatur als lebendige Stadterzählung

Gertrud Schmirger (1900–1975), die unter dem Pseudonym Gerhart Ellert veröffentlichte, zählt zu den bemerkenswerten literarischen Persönlichkeiten, die aus Wolfsberg hervorgegangen sind. Dennoch ist ihr Werk heute nur noch einem vergleichsweise kleinen Kreis bekannt. Die Lesung im Festsaal des Wolfsberger Rathauses im Mai 2025 hatte daher ein klares Ziel: Diese Autorin wieder stärker ins Bewusstsein der Stadt zu rücken und ihre Texte nicht nur als literarische Dokumente, sondern als lebendige Erzählräume erfahrbar zu machen.

Im Mittelpunkt standen ausgewählte Passagen aus Ellerts historischen Romanen und Erzählwerken. Sie führten das Publikum an unterschiedliche Schauplätze und in verschiedene Epochen – von Venedig und Istanbul über die Welt der Johanniter bis zu den großen historischen Stoffen, die Ellert mit dichterischer Vorstellungskraft und erzählerischer Spannung verband. Damit wurde sichtbar, dass ihr Werk weit über regionale Erinnerung hinausweist, zugleich aber eng mit Wolfsberg verbunden bleibt: als Herkunftsort einer Schriftstellerin, deren literarische Stimme neu gehört werden kann.

Bei der Lesung im Rathausfestsaal in Wolfsberg wurden aus dem umfangreichen Schaffen Gerhart Ellerts drei Werke präsentiert und visuell und musikalisch begleitet.

Ein Veranstaltungsformat zwischen Lesung, Musik und Bild

Die Besonderheit des Abends lag in der Verbindung mehrerer Vermittlungsebenen. Die Lesung wurde nicht als reine Textdarbietung konzipiert, sondern als literarisch-musikalische und visuell begleitete Veranstaltung. Musik und Bilder sollten keine bloße Dekoration bilden, sondern den Charakter der Texte unterstützen, Stimmungen öffnen und Übergänge zwischen den ausgewählten Passagen schaffen.

Die visuelle Präsentation im Hintergrund führte das Publikum an Schauplätze und in Atmosphären, die mit den gelesenen Texten verbunden waren. Historische und symbolische Bilder, Ansichten von Orten, Buchbezüge und stimmungsvolle Motive halfen dabei, Ellerts erzählerische Welt anschaulich werden zu lassen. Die musikalische Begleitung verstärkte diesen Effekt und gab dem Abend eine dramaturgische Struktur, die über eine klassische Autorenlesung hinausging.

Vorbereitung und dramaturgische Erarbeitung

Die Vorbereitung des Projekts umfasste die Auswahl geeigneter Textstellen, die dramaturgische Gliederung des Abends, die Entwicklung verbindender Einleitungen sowie die Abstimmung von Lesung, Musik und visueller Ebene. Entscheidend war, die Texte so zu wählen, dass sie für sich allein wirken konnten und zugleich einen repräsentativen Einblick in Ellerts literarisches Schaffen gaben.

Dabei standen nicht nur literarische Qualität und Spannung im Vordergrund, sondern auch Verständlichkeit und Wirkung im Raum. Die ausgewählten Passagen mussten laut gelesen funktionieren, Bilder hervorrufen und dem Publikum einen unmittelbaren Zugang ermöglichen. Ergänzende Einleitungen ordneten Gerhart Ellert beziehungsweise Gertrud Schmirger biografisch und literaturgeschichtlich ein, ohne den Abend zu überfrachten. So entstand eine Form, die Information, Erzählung und Atmosphäre miteinander verband.

Eine fast vergessene Autorin kehrt in die Stadt zurück

Die Lesung war mehr als eine einmalige Kulturveranstaltung. Sie zeigte, wie Literatur dazu beitragen kann, beinahe vergessene Persönlichkeiten wieder in der Geschichte einer Stadt zu verankern. Gertrud Schmirger wurde nicht nur als Name erwähnt, sondern durch ihre Texte, ihre Themen und ihre erzählerische Kraft wieder präsent gemacht.

Gerade für eine Stadt wie Wolfsberg ist ein solches Projekt von besonderer Bedeutung. Literaturgeschichte wird nicht nur in großen Zentren geschrieben. Sie entsteht auch in Regionen, in Familiengeschichten, in persönlichen Lebenswegen und in Werken, die später aus dem öffentlichen Gedächtnis zu verschwinden drohen. Eine sorgfältig konzipierte Lesung kann hier eine Brücke schlagen: zwischen Archiv und Gegenwart, zwischen Buch und Bühne, zwischen historischer Erinnerung und kultureller Identität.

Ergebnis und Bedeutung des Projekts

Mit der Gerhart-Ellert-Lesung entstand ein Beispiel dafür, wie literarisches Storytelling im öffentlichen Kulturraum gelingen kann. Die Veranstaltung machte deutlich, dass Texte dann besonders stark wirken, wenn sie in einen erzählerischen, visuellen und akustischen Zusammenhang gestellt werden. Aus der reinen Präsentation literarischer Ausschnitte wurde ein Abend, der die Autorin, ihre Stoffe und ihre Herkunftsstadt miteinander verband.

Das Projekt zeigte zugleich, welches Potenzial in der Verbindung von Literaturvermittlung, lokaler Erinnerungskultur und moderner Präsentationsform liegt. Durch die sorgfältige Auswahl der Texte, die atmosphärische Bildsprache und die musikalische Begleitung wurde ein Format geschaffen, das sowohl historisch fundiert als auch emotional zugänglich ist.

Modell für weitere literarische Formate

Die Lesung bietet eine tragfähige Grundlage für ähnliche Veranstaltungen. Das Modell aus Text, Musik und visueller Begleitung lässt sich auf andere Autorinnen und Autoren, historische Themen, regionale Persönlichkeiten oder literarische Jubiläen übertragen. Besonders dort, wo Werke oder Lebensgeschichten im öffentlichen Bewusstsein verblasst sind, kann ein solches Format neue Aufmerksamkeit schaffen.

Damit steht die Gerhart-Ellert-Lesung exemplarisch für einen erweiterten Begriff von historischem und literarischem Storytelling. Literatur wird nicht nur vorgelesen, sondern in Szene gesetzt, kontextualisiert und mit Bildern sowie Klängen zu einem Gesamterlebnis verbunden. Auf diese Weise kann kulturelles Erbe neu sichtbar werden – nicht museal erstarrt, sondern lebendig, erzählbar und anschlussfähig für ein heutiges Publikum.

Hintergründe und Vertiefungen

Präsentationsfolie Ellert-Lesung in Wolfsberg.
Gerhart Ellert – Eine literarische Wiederentdeckung im Festsaal des Wolfsberger Rathauses
Gerhart Ellert: Wer war der Bestsellerautor aus dem Lavanttal wirklich?
Projektdetails

Kunde(n): Kulturreferat der Stadtgemeinde Wolfsberg

Projektzeitraum: 2025

Art(en) des Projekts: Literaturveranstaltung, Lesung

Leistungen: Recherche, Textbearbeitung, Vortrag und visuelle Begleitung

Besonderheiten: Lesung im Festsaal des Wolfsberger Rathauses

Umsetzung:

Mag. Werner M. Thelian
wmtprojekte